Gemischtes Programm: VDP GG Premiere Tag 3

Gemischtes Programm: VDP GG Premiere Tag 3

Heute habe ich am dritten Tag der Verkostung der „Großes Gewäche“ des VDP in Wiesbaden verschiedene Rebsorten, Regionen und Stilistiken erkundet. Im Fokus standen Riesling, etwas Silvaner und Lemberger. Wie in den letzten Tagen habe ich viele große Weine verkostet, nur wenige Enttäuschungen und keine großen Überraschungen erlebt. 

Los ging’s mit den Riesling-Regionen, die ich gestern nicht geschafft habe. Außerdem wirkt etwas erfrischende Säure Wunder, den Gaumen wieder auf Trab zu bringen. Der Rheingau war ein perfekter Auftakt des Tages und Peter Jakob Kühn wieder einer meiner Favoriten. Vor allem seine spontanen, wilden, aber hervorragenden 2018er “Lenchen” und “Doosberg” haben mich beeindruckt. Der Doosberg ist dicht mit einer wunderbaren Aromatik von gelben Früchten, Orangen, Kardamon, Muskat und einem salzigen Finish. Das  Lenchen ist ebenfalls tiefgründig, vielschichtig, mineralisch – hinzu kommen feine Melone und etwas türkischer Konfekt. Sehr elegant und raffiniert. 

 Auch ausgezeichnet – Schloss Johannisberg 2019. Der  “Johannisberger” ist knackig und elegant mit seiner kühlen Frucht wie Grapefruit, Limette und weißem Pfirsich sowie dem langen mineralischen Abgang. Ich mochte auch das “Roseneck” und den “Seligmacher” von August Kesseler sowie Wilhelm Weil’s atemberaubenden “Gräfenberg”. 

Brillante Rieslinge aus meiner Heimat Württemberg. Der “Götzenberg” 2018 von Rainer Schnaitmann war mein Höhepunkt des Flights. Ein sehr intensiver und köstlicher Stil. Reife Steinfrüchte, Orangenschale, Kräuter getragen von einer präzisen, erfrischenden Säure. Langer und konzentrierter Abgang. Im Hinblick auf den Lemberger haben meine schwäbischen Nachbarn solide, wenn auch nicht überragende Leistung gezeigt. Am interessantesten war für mich ein Vergleich der Lemberger 2018 vom “Lämmler”. Die Version von Matthias Aldinger ist elegant, reduktiv mit orientalischen und weihnachtlichen Gewürzen, Pfeffer, nassem Stein und feinkörnigen Tanninen.  Rainer Schnaitmanns Abfüllung zeigte attraktive kühle dunkle Früchte mit Rauch, Mineralien und einem würzigen Kräuterfinish. Heid lag irgendwo in der Mitte von beiden. Extrem beeindruckend Seegers „Spermen“, der einzige Lemberger/Blaufränkisch aus Baden: Modern, komplex mit einer großartigen Zukunft.