Meine Erfahrungen mit Coravin
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Meine Erfahrungen mit Coravin

Großartig gestochen

In den vergangenen Tagen haben einige von Euch mich kontaktiert, was ich von Coravin halte. Also mit dem System, mit dem man Wein aus einer Flasche entnehmen kann, ohne den Kork zu entfernen. Ich gehöre praktisch zu den Coravin-Veteranen. Ich habe mein Device bereits 2014/2015 direkt in den USA bestellt, als es noch gar nicht in Deutschland erhältlich war. Seitdem habe ich damit Hunderte, wenn nicht gar Tausende von Flaschen „coraviniert“.

 

Wie Coravin funktioniert

Das Coravin-System gibt es inzwischen in unterschiedlichen Modellen, Farben und Varianten – sogar mit Internetanbindung. Alle basieren aber auf dem gleichen Grundprinzip. Mit einer Chirurgennadel wird Wein durch den Korken aus einer Flasche entnommen (inzwischen gibt es auch einen Aufsatz für Schraubverschlüsse) und die Fehlmenge durch neutrales Argon-Gas ersetzt. Sobald die Nadel aus der Flasche herausgezogen wird, verschließt der elastische Kork von selbst den Einstichkanal, und es kann kein Sauerstoff eindringen. Somit können diese Flaschen weiter gelagert werden, als wäre der Inhalt nie angerührt worden. Theoretisch zumindest.

Was Coravin kann

Coravin hat mir vor allem während des Master of Wine-Studiums unglaublich viel Geld dadurch gespart, dass ich die Flaschen zum Trainieren immer wieder nutzen konnte. Wer teure Bordeaux und Burgunder schätzt, weiß was ich meine. Jetzt benutze ich Coravin gerne beispielsweise VOR Verkostungen. Um festzustellen, ob ein besonderer Wein (von dem ich keine zusätzlichen Flaschen habe) sensorisch in Ordnung ist, oder ich für die Probe umdisponieren muss. Viele meiner Freunde und Bekannten nutzen es natürlich auch im Restaurant oder in der Weinbar, um den Gästen hochwertige Weine glasweise anbieten zu können.

Wo Coravin an seine Grenzen stößt

Wie jede Technologie scheint auch Coravin seine Grenzen zu haben. Der Oxidationsschutz hängt natürlich vor allem von der Qualität des Korkens ab. Ist er nicht elastisch, kann auch mit Coravin Sauerstoff durch den Einstichkanal in die Flasche eindringen. Zwar gibt es auch eine dünnere Nadel für alte und brüchige Korken, spätestens bei sieben bis acht Einstichen ist nach meiner Erfahrung auch beim besten Korken die Dichtigkeit nicht mehr garantiert.

Gerade bei feinen, duftigen Weinen stelle ich trotz korrekter Handhabung und Lagerung subjektiv immer mal wieder Aromen-Veränderungen fest, die nichts mit Oxidation zu tun haben. Manche – bei weitem nicht alle Füllungen – scheinen Wochen nach der Argon-Behandlung einige Aromen-Nuancen einbüßt zu haben. Oder das Aromenbild hat sich etwas verschoben. Insbesondere, wenn man die Weine mehr als ein Drittel des Inhalts durch Argon ersetzt hat. Aber hey, das ist wie gesagt – mein subjektiver Eindruck und nicht validiert. Außerdem ist kein System perfekt, und die Vorteile überwiegen für mich klar.

Tipps zum Umgang mit Coravin

Natürlich sitzt der Fehler oftmals nicht im, sondern vor dem System. Coravin ist zwar leicht zu bedienen, zwei kleine Tipps zur Handhabung aber von meiner Seite: Vor dem Einstechen der Nadel in den Korken, unbedingt den Sauerstoff mit einem kurzen Druck auf den Argon-Knopf aus der Nadel entfernen. Sonst wird dieser zusammen mit dem Argon direkt in die Flasche befördert. Das gilt es insbesondere zu vermeiden, wenn die Flasche danach noch länger gelagert werden soll. Zweitens: Nach dem Herausziehen der Nadel drehe ich die Flasche kurz um. Damit stelle ich sicher, dass der Kork gleich mit Flüssigkeit wieder benetzt wird. So kann er sich schneller wieder ausdehnen, und den Einstichkanal verschließen. Dabei den Daumen unbedingt auf den Kork drücken, damit nichts herausläuft. So wie beim Blut abnehmen beim Doktor. Einfach, aber effektiv.